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Geruhsam
Robin fuhr über den Highway und freute sich auf einen gemütlichen Abend. Er hatte einen schweren Tag hinter sich, eine endlos lange Besprechung voll öder Themen hatte er durchgestanden. Sein Kopf tat ihm jetzt noch weh und sein Mund war trocken von dem vielen Reden. Das einzige, was ihn heute noch erfreuen konnte, war ein kühles Bier und ein Sessel, in dem er sich entspannen konnte.
Die Sonne versank langsam und blutrot hinter dem Horizont und ihre vereinzelten Strahlen tauchten die gesamte Szenerie in ein unheimliches Licht. Aus dem Autoradio erklang ein Lied, welches Robin hasste. Er stellte einen anderen Sender ein. Rock'n Roll. Das war besser.

Verschiedene Gedanken gingen ihm durch den Kopf. Ob seine Frau gekocht haben würde, oder ob er sich wieder irgend welche durchgeweichten Burger beim nächsten Fast-Food-Restaurant kaufen müsste? War der Hund endlich gewaschen, nachdem er nun schon seit mehreren Tagen die Wohnung vollgestunken hatte? Wieviele Geschäftsbriefe häuften sich schon wieder auf seinem Schreibtisch?

Den letzten Gedanken verscheuchte er genauso schnell, wie er gekommen war. Gearbeitet hatte er heute wahrlich genug. Morgen war auch noch ein Tag, ein Tag, an dem er sich um solche Sachen kümmern würde.
Autos überholten ihn, zum größten Teil Jugendliche, die ihm irgend etwas Unverständliches zuschrien, oder ihm einen Vogel und andere obszöne Handzeichen zeigten. Robin versuchte sie zu ignorieren. Seine Ausfahrt rückte näher.
Er fuhr an der »Shopping-World« vorbei, dem Einkaufszentrum, nach dem seine Frau beinahe süchtig war und in dem sie regelmäßig untertauchte. Robin hasste es. Zu viele Menschen. Zu viel Lärm. Zu viel von allem auf einmal. Auch heute war der Parkplatz gerappelt voll und Robin ertappte sich dabei, wie er verstohlen nach dem Wagen seiner Frau schielte. Wie hatten sie sich schon wegen dieses Einkaufszentrums gestritten, wenn sie unbedingt hinwollte und er nicht, sie ihn aber brauchte, weil es um irgend etwas ging, wozu sie seinen Rat benötigte. Sie hatten sich in den Haaren gelegen, wie zwei kleine Kinder, die sich wegen eines Spielzeuges nicht einigen konnten. Wenn seine Tochter und sein Sohn sie dann gesehen hatten, hatte er sich immer geschämt. Es war ihm peinlich, vor seinen Kindern so aufzutreten.

Er sah das Blaulicht, als er um eine Kurve fuhr. Zuerst wollte er es nicht beachten, schließlich sah er Blaulichter des öfteren, dann aber wandte er seinen Blick aber doch auf die Gegenfahrbahn.
Es war eine Massenkarambolage. Vier oder fünf Autos waren ineinander gefahren und hatten sich regelrecht verknotet. Es war unmöglich, noch eine Automarke zu erkennen. Ein Großteil der Straße war abgesperrt und hinter der Unfallstelle stauten sich die Autos. Zwei Krankenwagen standen bereit, Helfer und Ärzte versorgten die Verletzten an Ort und Stelle. Männer in Erste-Hilfe-Anzügen rannten mit aufgebahrten Menschen zu den Rettungswagen; manche aber trugen sie langsam, ohne Eile oder Hektik. Robin konnte sich nur zu gut vorstellen, was das bedeutete.
Wahrscheinlich hatte einen der Fahrer die untergehende Sonne geblendet und er war auf den vor sich fahrenden Wagen gefahren. Es war ein Bild des Entsetzens.
Robin sah zur Seite, fuhr jedoch weiter - und es hätte nicht viel gefehlt, und er selbst hätte einen Unfall verursacht, wenn ihn eine Autohupe nicht in die Realität zurückgerissen hätte. Er trat scharf auf die Bremse und wurde gewaltsam nach vorne geschleudert. Der Sicherheitsgurt schnürte ihm für einen Moment die Luft ab. Er röchelte leise.
Dann war er vorbei, das Blaulicht verschwand und dafür rückte die Ausfahrt in sichtbare Nähe. Er verließ den Highway und fuhr auf eine kleine Landstraße.

Als er den Wagen vor seinem Haus abstellte, war die Sonne bereits verschwunden und die Schatten hatten das letzte bisschen Licht verschluckt. Robin schloss ab und trat ins Haus.
»Liebling, ich bin wieder da«, rief er und hängte seine Jacke an den Kleiderständer. Er zog die Schuhe aus und genoss einen Moment lang das Gefühl, endlich seine Zehen frei bewegen zu können. Die Schuhe waren viel zu eng, aber seine Frau hatte ihm gesagt, sie würden ihm gut stehen, als sie sie gekauft hatten. Es war in der »Shopping-World« gewesen.
Er betrat das Wohnzimmer und entdeckte einen Zettel auf dem Tisch. Er nahm ihn zur Hand und faltete ihn auseinander. Es war die penible Handschrift seiner Frau.
»Hallo, Robin«, stand auf dem Zettel, »da ich weiß, wie sehr Du die Shopping-World hasst und du jetzt nicht da bist, habe ich gedacht, ich fahre schnell mal rüber und kaufe noch was zum Abendessen. Die Kinder nehme ich mit. Bis gleich
Sally«
Er ließ den Zettel sinken. Auf einmal sah er wieder das Blaulicht, die ineinander gefahrenen Autos und die Männer, die die Bahren ganz ruhig und langsam trugen. Ohne Hast und Eile.
Er rief die Polizei an. Als er die Antwort des Beamten gehört hatte, ging er in die Küche und nahm sich den hölzernen Messerblock, den er bisher immer so sinnlos gefunden hatte. Plötzlich hatte er einen Nutzen.

Eingeschickt am 21.10.04
Autor bekannt, bitte Urheberrecht beachten!
Kommentare (29)
  • Chris

    Ich hab mal ne situation erlebt die im 1 moment ähnlich war. Ich fuhr am Rhein entlang und sah einen unfall bei dem es schien das 2 menschen unterm auto lagen 1 Radfahrer und 1Fußgänger.Polizei RTW Feuerwehr das volle aufgebot.Dann sah ich das Auto meiner Freundin, LEER.(wir beide sind " nur Rettungshelfer" )Dann habe Ich sie unterm Auto erkannt.Es war ein Sch... gefühl jemanden den man liebt unterm Auto liegen zusehen.

    Es Stellte sich raus das meine Freundin Die Ersthelferin vorort war und versucht hat dem radfahrer bei bewustsein zu halten bis er befreit worden war.ICH Wünsche NIEMANDEN dieses gefühl.Egal was diese Person getan hat!!! "shit happens" sei froh wenn du nicht in so eine gefühlswelt kommst.

  • Benni

    Zu dem kommentar "Shit happens" vom Rettungsassistenten....

    mit so einem beschränkten horizont, und volligem fehlen jedes einfühlungsgefühl, kurz gesagt, so viel ignoranz auf einem haufen..... also entweder bist du echt blöd, oder noch nicht lange RA .- oder eben gar keiner.
    WENN du ein halbwegs ausgebildeter wärst, würdest du wissen, das menschen schreckliche sachen verarbeiten müssen.Die einen mit ihren freunden und Kameraden auf der wache, die andern eben so, du vollei

    MFG

    noch ein(wahrscheinlich viel besserer) Rettungsassistent

  • Pat  - Meist sinds doch nur die anderen...

    denen soetwas passiert aber man sollte immer aufpassen und vorallem wenn man Kinder dabei hat.

  • Jennily

    Anhand dieser Geschichte kann man mal sehen wie schnell es vorbei sein kann. man freut sich im ersten moment noch auf zu hause und dann erhält man so eine Nachricht. mir zeigt solch eine Geschichte, wie sehr man das zusammensein genießen sollte!!! Keiner weiß wieviel zeit einem dafür noch bleibt!

  • Guest

    menschen kommen und gehen...
    alle auf eine andere weiße
    und manchmal glaubt man zu denken das selbst die zeit nicht die wunden heilen kann
    aber das leben geht weiter

  • ein freund, ein unbekannter, e  - du du

    oh an des is ja volle kanne traurig!!!!!

    ey wenn des meiner familie passieren würde ich würd erst tonnenweiße heulen und dann mich umbringen!!!! :cry

  • Daliyah  - Oh weia=(

    Ich habe das gesehen und gelese ich
    war dem heulen nahe :(
    Und leute die irgend nen scheiss schreiben wie shit happens oder so,den wünsche ich das es denen auch passiert -.-
    vereckt ihr spassten -.-

  • Volker J.  - Grenzen

    Mein Beileid all' denen Menschen, die einen oder mehrer ihrer Lieben verloren haben. Egal ob auf spektakuläre oder weniger spektakuläre Weise - denn tragisch ist ein solcher Verlust in jedem Fall!

    Doch der Tot und auch das Leben lassen sich nicht vorhersagen. Es kann jeden von uns jederzeit treffen - ob im Straßenverkehr, im Berufsalltag, im Schlaf...

    Leider sind in fast allen Fällen Menschen von dem Tot eines Anderen betroffen und haben darunter zu leiden.
    Genauso können wir in jedem Augenblick zu einem betroffenen gehören.

    Ich selbst lebe nur ein paar wenige Kilometer von dem Transrapid-Unglück in Lathen entfernt, habe jahrelang in Discotheken vor Ort gekellnert und genieße einen großen Bekanntheitsgrad.
    Es befanden sich hauptsächlich Ortsansässige in dem Unglücksfahrzeug und in dieser ländlichen Gegend hier kennt so ziemlich Jeder Jeden...
    Ich selbst gehöre auch zu den betroffenen Menschen, habe aber zum Glück keinen meiner Lieben bei dem Unfall verloren.
    Doch immer ...

  • Guest  - Shit happens

    So ein heftiger Nonsens. :? Ich verstehe die Leute nicht, die sich nach der Lektüre berührt fühlen, zumal ich die Verfasser solcher Texte nicht für voll und Suizidgefährdet halte. Wer über das Grauen dieser Welt in dieser Form berichtet, hat es noch nicht gesehen. Aber wir wissen alle, dass Phantasie die beste Realität ist. Seid mir nicht böse, ich fahre trotzdem schnell.
    MfG ein Rettungsassistent :grin :grin

  • Guest

    :upset

  • Andi

    :cry :cry

  • Stefan(Gast)  - Ich schnalle mich jetzt immer an

    Mir soll so etwas nie passieren !!! :cry

  • Guest(Gast)

    Mir ging es Ähnlich.
    Ich bin auf Arbeit gefahren und da kam mir RTW und NEF entgegen. Und ich habe gerade noch Gott dafür gedankt das bei uns in der Familie alles gesund ist. Ich konnte aber zu dem Zeitpunkt das die Rettungssanitäter gerade auf dem Weg zu meiner Mutter waren die mit dem Fahrrad gestürzt war getürzt war und sich schlimmste Verletzungen zuzog.

  • miia(Gast)

    schLimm so was :? :sigh

  • Guest(Gast)

    traurig :cry

  • Steffi(Gast)

    @ anette: meiner meinung nach gehört für den verantwortlichen der 4 jugndlichen die todesstrafe!!
    ich find das so unmöglich nur 3 jahre..

  • Mike(Gast)

    Als ich diese Geschichte gelesen habe, musste ich zwischendurch aufhören und weinen.

    Ich selbst bin in einen Unfall verwickelt gewesen, als ein LKW die Geschwindigkeit missachtete und in einen Stau raste. Mein Auto war das erste, welches er ungebremst auf die anderen schob.

    Der LKW-Fahrer hatte Glück, er überlebte. Ich hatte auch Glück, ich überlebte schwer Verletzt.

    Mein kleiner Sohn hatte kein Glück......

  • Annette(Gast)

    Mein Sohn wurde am 04.06.2005 zusammen mit drei Mädchen von einem betrunkenen und zugekoksten 24 jährigen Fahrer einfach von der Straße gerammt .... alle vier waren auf der Stelle tot. Nachdem Schock und der einkehrenden unendlichen Leere kommt die Frage nach dem Weiterleben ohne das einzige Kind. Man muss sich entscheiden und dadnn kämpfen. Wir die Eltern der getöteten 4 Jugendlichen haben zusammen mit anderen Freunden einen Verein gegründet "Bürgerstifung Raser-Täter-Opfer". Hier kämpfen wir um o,oo Promille und eine Verschärfung des Strafrechts, denn der Mörder unserer Kinder wurde in erster Instanz nur zu 3 Jahren und 3 Monaten Haft verurteilt. Wer sich informieren möchte kann dies unter www.raser-taeter-opfer.de tun. Ich würde mich freuen, wenn Ihr unsere Seite mal besucht.

    Annette
    mit Toni im Herzen

  • Guest(Gast)

    In manchen Momenten ,
    denkt man nicht,!!
    das Leben geht weiter ,,,
    da ist man leer
    da können nur Freunde helfen ,
    wen welche da sind.??
    auch wen die störend für denjenigen sind.
    es ist schlimm liebe Freunde ,
    Familie oder den Geliebten zu verlieren ,das dauert seine Zeit .
    '' Darum kann nur der verstehen ,,,
    wer das mitgemacht hat ''.

  • Alex(Gast)

    Das ist leider sehr traurig :- (
    und macht mich bezüglich meiner Fahrweise sehr nachdenklich....

  • Mirastor(Gast)

    Ich als Freiwilliger Rotkreuz Sanitäter habe bei solchen Dingen die Erfahrung gemacht, dass es härter ist die Angehörigen zu verständigen und ihnen das schonend beizubringen als den Patienten leiden zu sehen und zu versorgen.

  • Guest(Gast)

    Schrecklich!
    Aber es gibt noch so viele Sachen wofür es sich zu leben lohnt...
    Ich denke vor allem für die verbliebenen Menschen...Freunde usw...
    Man sollte nicht aufgeben sondern kämpfen... Zeit heilt die meisten Wunden...

  • Sandra(Gast)

    Die Geschichte hat mich so berührt, dass muss das schlimmste sein eine Familie zu verlieren. Es muss nicht mal die Familie sein, es kann auch nur ein ganz wichtiger Freund sein. Aber Selbstmord ist da auch keine Lösung, leider sehen das Menschen nicht immer so. Die meisten sagen: Das Leben geht trotzdem weiter! Natürlich geht es weiter aber ich glaube so etwas ist nicht leicht zu verarbeiten. Falls jemand in so eine Situation geraten sollte, denkt daran: Selbstmord ist keine Lösung!

    :sigh :cry :?

  • Guest(Gast)

    :cry

    oh mann

    past auf euch auf!

  • Chris(Gast)

    Leben.

    Lebst du weil du hörst?
    Lebst du weil du siehst?
    Lebst du weil du fühlst?
    Lebst du weil du existierst?
    Oder lebst du nur weil du glaubst das du lebst?

  • Guest(Gast)

    Meine Freundin zu verlieren wär für mich wahrlich das Schlimmst überhaupt!

  • duygu1(Gast)  - =(

    ja seine frau und seine kinder zu verlieren ist das schlimmste was passieren kann!
    ich habe sogar fast gewient als ich mir vorgestellt habe das meine familie stirbt schon der gedanke ist schrecklich :cry

  • para83(Gast)

    Ja, es kann sehr schnell vorbei sein. Manchmal zu schnell, deshalb lebe ich nach dem Motte, dass man jeden Tag leben sollte, als wenn es der letzte wäre. Ich versuche ständig, wen ich von zu Hause weggehe, meine Freundin nicht im Streit zu verlassen, sondern ihr stattdessen zu sagen,
    dass ich sie liebe.

    "Jeder Tag den man lebt ist etwas Besonderes!"

  • Guest(Gast)

    Da kann man mal sehen, wie schnell so etwas schlimmes passieren kann. Man ahnt nichts böses, will vielleicht nur mal eben Einkaufen fahren und kommt nicht wieder. Solche Erfahrungen wünscht man keinem.

    Grüße Clara

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Kommentare
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