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Geschichten zum Nachdenken |
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Ich habe mit 17 Jahren den Dienst der Freiwilligen Feuerwehr angetreten,das war im Dezember 2000.
Es dürfte so März 2002 gewesen sein, die ersten wärmeren Tage nach dem
Winter, als es passierte. Bis auf ein paar Fehlalarme, Einsätze wegen
Rohrbruchs und Hochwassers hatte ich bis dato noch recht wenig Einsatzzeit
auf dem Buckel. Um ziemlich genau 5:30Uhr Dienstags ging der Melder los,
"Verkehrsunfall... Bundesstrasse... 2 Personen ...geklemmt", mehr konnte ich
damals, aus dem Schlaf gerissen und immernoch beim versuch zu realisieren
was überhaupt los ist, nicht verstehen.
Natürlich bin ich sofort aufgestanden, habe meiner Freundin einen Kuss auf
die Wange gegeben und bin in Einsatzkleidung mit dem Moped zum Gerätehaus
gefahren. Ich habe einen relativ kurzen Weg und hatte somit noch genug Zeit
um mich auszurüsten und nachzufragen was genau los ist. "Unfall auf der B9
zwischen Nierstein und Bodenheim, 2 Autos frontal ineinander gefahren und 2
Personen eingeklemmt", hies es sachlich aus dem 4 Meter Funk von der
Zentrale. Nachdem das Fahrzeug besetzt war ging es sofort los. Es war ruhig
im Fahrzeug, zwar waren alle nervös, jedoch waren das alle für sich alleine.
Es wurde bereits hell, jedoch ging die Sonne noch nicht auf, als wir an der
E-Stelle ankamen. Ein anderes Fahrzeug war bereits vor Ort und der
Fahrzeugführer kam auf uns zu und sagte das wir einen toten haben. Alle die
soetwas nicht sehen können sollen sich bitte von dem Opel Corsa fern halten.
Ich hatte schoneinmal einen Toten gesehen, bei einer Radtour sah ich durch
die offene Tür eines Rettungswagens, wie beim Stiefvater eines ehemaligen
Klassenkameraden die Reanimation eingeleitet wurde... vergebens. Von dieser
Sache, dachte ich, ich wäre abgehärtet und Stieg aus. Das Blaulicht und die
Scheinwerfer der Fahrzeuge spiegelten sich in den Glassplittern und
ausgelaufenen Flüssigkeiten der Unfallfahrzeuge. Ein Minivan ist frontal in
einen Opel Corsa gefahren, die Insassen des Van's waren zwar verletzt und
der Fahrer eingeklemmt, hatten jedoch keine schweren verletzungen und waren
bereits alle geborgen und versorgt.
So ging ich auf den Opel Corsa zu, als ich bis auf 5 Meter an das Fahrzeug
herangelaufen bin sah ich schon den Fahrer und den offenen,
blutverschmierten Airbag. Ich ging weiter richtung Fahrertür. Der Fahrer
hatte den Kopf auf der Rückenlehne des Sitzes liegen, die Kopfstütze lag
abgebrochen im hinteren Fußraum. Er war ganz blass, die unteren Augenlider
aufgrund der Haltung des Kopfes halb aufgerissen, ebenso wie der Mund. In
den Augen sah man kleine rote zum Teil geplatzte Äderchen, insgesamt sah es
so aus als hätte er immernoch den panisch ängstlichen Ausdruck im Gesicht
wie er ihn gehabt haben muss als er die Scheinwerfer des Fahrzeugs, dem er
auswich, auf seiner Spur entgegen kommen sah. Ich sah mir das eine kurze
Weilie geschockt an, es roch "kalt", nach Öl, Kühlwasser und nassen
Kleidern. Langsam ging die Sonne auf und tauchte alles in ein orange-gelbes
Licht, dies war für mich ein Zeichen das selbst bei einem solchen Unfall die
Zeit weiter läuft, der Tag seinen "normalen" Lauf nimmt. Nur über dem Corsa
schien ein Schatten zu bleiben, es wirkte alles so Farblos.
Um die Ecke kam auf einmal ein Kamerad mit einem Polizisten. Ein Ford Probe,
von der Unfallstelle nicht zu sehen, lag ein paar hundert Meter weiter im
Graben. Der Fahrer, ein Amerikaner, war wohlauf. Wurde jedoch von der MP
relativ schnell von der Unfallstelle abgeholt. Wir fingen nun an die Leiche
zu bergen, der Rucksack im Beifahrerfußraum wurde wärend dessen von der
Polizei durchsucht. Im Portemonnaie, waren Bilder von einer Frau und von
zwei ca. 2-4 Jahre alten Kindern. Ein junger Familienvater lag in diesem
Wagen und das Leben einer jungen Frau, sowie von 2 Kindern wüde vom heutigen
Tag schlagartig geändert werden.
Langsam fing die Sonne an mich zu wärmen und wir bekamen den Toten frei. Wie
ein nasser Sack lies sich der Körper willenlos bewegen, ein Fuß hing noch an
einem Pedal fest, doch durch mehrmaliges ziehen konnten wir ihn lösen und
den toten aus seinem stählernen Sarg befreien. Zwei Männer in schwarzem
Anzug halfen beim Bergen der Leiche und legten ihn in einen Transportsarg aus
Kunststoff. Kurzes Händeschütteln, der Sarg wurde eingeladen und die beiden
Herren verschwanden wieder mit dem Leichenwagen. Es war so unwirklich, wie
konnte so eine Tragödie nur so organisiert ablaufen? Immernoch fassungslos
von den ganzen Eindrücken sah ich zu wie die Abschleppwagen die Verunfallten
Fahrzeuge mitnahmen und die Polizisten über den Unfallhergang diskutierten.
Anhand der Bremspuren, lage der Fahrzeuge und Zeugenaussagen stellte sich
heraus das der Ford und der Van aus einer richtung und der Opel aus der
anderen richtung kamen. Der Fahrer des Fords fing bei durchgezogener Linie,
direkt nach der 70km/h Zone an den Van zu überholen, aufgrund des Gebüschs
ist diese Stelle nicht einsehbar und so ahnte der Fahrer des Opels nichts
von dieser Waghalsigen aktion. Als er die 4 Scheinwerfer sah war es bereits
zu spät, da der Ford wohl schon recht weit an dem Van vorbei war sah er
vieleicht sogar nur den Ford auf seiner Spur und wich deshalb auf die
Gegenspur aus. So kam es das die eine Tonne Gewicht des Opels auf die über 2
Tonnen des Vans prallten, wie ein Tennisball prallte er ab und schleuderte
wild über die Fahrbahn, in die Leitplanke und zurück auf die Fahrbahn. Der
Fahrer des Fords, der Unfallverursacher ist lediglich mit ein paar
Prellungen davon gekommen und ein Familienvater musste sterben, er musste
sterben weil der Van für den Fahrer des Fords nicht schnell genug von 70 auf
100 beschleunigte.
Heute bin ich immernoch gezeichnet von dieser Begebenheit, ich frage mich
noch immer wie so eine Ungerechtigkeit nur passieren kann, ich frage mich
noch immer wie es der Frau und den Kindern jetzt geht, ich liege wach und
denke darüber nach, ich fahre an der Unfallstelle vorbei und denke darüber
nach. Mittlerweile habe ich schon ein paar mehr Unfälle erlebt, nur keiner
so schlimm wie dieser und jedesmal wenn der Melder los geht, selbst beim
wöchentlichen Probealarm, denke ich an diesen Tag. Ein Tag wie es ihn leider
viel zu oft gibt.
Nach einer realen Begebenheit.
Eingeschickt 10/2004
Autor bekannt, bitte Urheberrecht beachten!
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Nun ja David, ich habe diese Stimmung so empfunden damals. Das wir alle ruhig waren und keine Witze gemacht haben lag primär wohl daran das es halt doch recht früh am Morgen war. Ebenfalls gut möglich das ich als einziger nervös war, das vermag ich jetzt nichtmehr zu beurteilen. Person unterm Zug hatten wir btw. auch schon und niemand is da irgendwie dran kaputt gegangen. Keine angst!
Würde Diese Geschichte übrigens gerne indizieren lassen (Daten und Orte ändern) oder eben ganz von der Seite nehmen (habe den Betreibern auch schon gemailt).
Die Kids von dem Mann werden nun schon im Internet herum surfen und ich bin mir nicht sicher ob es gut ist wenn sie ggf. per Zufall auf diesen Bericht stoßen.
MfG