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Geschichten zum Nachdenken |
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Eine ganz normale Nachtschicht |
Eine ganz normale Nachtschicht
Nur mal kurz zu mir, ich bin Mitte 20 und Polizist in einer Stadt
mit knapp 70000 Einwohnern. Ich möchte euch mal kurz beschreiben wie
eine Nachtschicht bei uns aussieht:
Du kommst um kurz vor 20 Uhr zum Nachtdienst, nachdem du am morgen
schon von 6-13 Uhr Frühdienst hattest und mittags nicht schlafen
konntest. Du gehst zu deinem Schrank und ziehst dich um und begrüßt
deine Kollegen, die auch gerade kommen. So erst mal auf den
Streifenplan schauen und den Chef fragen ob was ansteht. Gut die erste
Streife von 22-01 Uhr. Ich setze mich in mein Büro und vertief mich in
meine Sachbearbeitung. Ich muss einen schweren Unfall bearbeiten, bei
dem ein 3-jähriger Bub schwerst verletzt wurde und nun im Rollstuhl
sitzt. Die Bilder des Unfalls sind plötzlich wieder vor meinen Augen.
Es hat geregnet, das Auto brannte und alle schrien umher. Das Bild des
kleinen Jungen, den du mit der Feuerwehr gemeinsam aus dem Auto
rausgezogen hast, wird dich so schnell nicht mehr loslassen.
Kurz nach 21 Uhr hörst du über Funk, dass es in der Innenstadt einen
Raubüberfall gab. Das Opfer wurde mit dem Messer bedroht und alles an
Habseligkeiten abgenommen. Ich denke mir nur, hoffentlich
bekommen wir ihn.
Um 21:30 Uhr kommt eine junge Mutter mit ihrer kleinen Tochter auf die
Dienststelle. Beide sind mit blauen Flecken übersät. Sie und die kleine
wurden von ihrem Mann geschlagen und sie will ihn anzeigen. Ich nehme
die Anzeige auf und versuche die Mutter zu beruhigen. Kurz nach 22 Uhr
fahre ich mit meinem Kollegen auf Streife, er ist auch erst 28 Jahre
alt. Wir fahren zunächst zu der Wohnung der geschlagenen Frau um den
Ehemann festzunehmen, damit die Frau nachdem sie im Krankenhaus war,
wieder in ihre Wohnung kann. Es wird nur sehr zögerlich geöffnet.
Nachdem wir dann doch in die Wohnung gelangt sind werden wir gleich von
dem Mann mit einem Stuhl beworfen. Der Kollege wird leicht am Bein
erwischt. Es gelingt uns den Mann mit Pfefferspray unter Kontrolle zu
bekommen und wir legen ihm Handschellen an und nehmen ihn mit zur
Dienststelle. Während der ganzen Aktion werden wir mit allen nur
erdenklichen Schimpfwörtern betitelt, was uns aber eigentlich schon gar
nicht mehr viel ausmacht. Wir übergeben den Mann auf der Dienststelle
dem Wachhabenden Kollegen, dieser wird ihn zunächst in die Zelle
verbringen.
Keine zwei Minuten auf der Dienststelle heißt es, ihr müsst sofort
wieder raus, wir haben einen Einbruchsalarm im Juweliergeschäft. Ich
weiss, dass dort schon mehrmals eingebrochen wurde und es auch schon zu
Täterkontakt kam. Während der Einsatzfahrt mit Sonder- und Wegerechten
schießen mir alle möglichen Sachen durch den Kopf, wie gehen wir vor,
bleiben wir zusammen oder trennen wir uns, wo fangen wir an das Gebäude
abzusuchen, ist der Täter noch vor Ort, ist er bewaffnet? Wir haben
Eintreffen, doch es stellt sich glücklicherweise heraus, dass es nur
ein Fehlalarm ist. Trotzdem wird mit einem Verantwortlichen das Gebäude
abgesucht. Meldung an die Einsatzzentrale, dass es Fehlalarm ist und
schon geht es weiter.
Wir werden zu einer Ruhestörung beordert. Eigentlich nichts
dramatisches, außer die angetrunkenen Gäste in der Kneipe, von
denen du dir wieder blöde Sprüche anhören musst. Mit dem Wirt
gesprochen, er macht die Musik leiser. Wieder melde ich es der
Zentrale. Nach kurzer Zeit heißt es über Funk, mehrere Randalierende
Jugendliche in einer Straße, es werden Lampen ausgetreten und es brennt
eine Papiertonne vor einem Haus. Feuerwehr ist alaramiert und fährt
auch mit an. Obwohl wir nur 2 Minuten brauchen um zum Einsatzort zu
kommen, können wir keine Jugendlichen mehr feststellen, nur die
Beschädigungen die sie hinterlassen haben und die Tonne, die gerade von
der Feuerwehr gelöscht wird. Es ist kurz vor 1 Uhr und ich bekomme
Hunger, also noch schnell vor dem Einrücken zur Dienststelle irgendwo
Fastfood mitnehmen. Um kurz nach 1 Uhr auf der Dienststelle, schnell
essen, einen Kaffee trinken und noch eine rauchen. Dann an den Computer
setzen und die ganzen Sachen die während der Streife angefallen sind,
im Computer erfassen. Wieder bekomme ich mit, wie der Funk nicht still
steht.
Um 3 Uhr morgens heißt es wieder raus auf Streife. Kurz nach dem
Rausfahren kommt eine Fahndung über Funk nach einer Unfallflucht, bei
der eine Person verletzt wurde. Wir fahren in die nähere Umgebung des
Unfallortes und suchen den Verursacher.
Gegen 4 Uhr, ich werde langsam müde, heißt es in der Innenstadt sei
eine Massenschlägerei im Gange, an der ca. 80 Personen beteiligt sind,
teilweise mit Baseballschlägern und Messer sollen auch im Spiel sein.
Ich denke an meine Freundin, sie arbeitet im Krankenhaus und hat auch
Nachtschicht. Wie es bei ihr wohl zugeht? Wir treffen mit mehreren
Streifen bei der Schlägerei ein, die noch voll am Gange ist. Wir rennen
hinein und versuchen die Parteien zu trennen. Ich bekomme von hinten
einen Schlag ins Kreuz, der mit glücklicherweise nicht weh tut, da ich
meine Schutzweste und meine Lederjacke anhabe. Einem Kollegen geht es
nicht so gut, er wird von einem Baseballschläger am Arm getroffen und
bricht zusammen. Der Täter rennt weg und zwei andere Kollegen rennen
ihm hinterher. Nur nach Einsatz von einem Polizeihund von Pfefferspray
können wir die Situation beruhigen. Ich bekomme nebenbei mit, dass der
Täter der den Kollegen angegriffen hat, zum Glück festgenommen wurde
und der Kollege schon auf dem Weg ins Krankenhaus ist. Zum Glück war
schnell das BRK vor Ort und haben den Kollegen versorgt. Er hat sich
den Arm gebrochen wie ich nachher erfahre. Das Ergebnis dieses
Einsatzes sind 9 zum Teil schwerer Verletzte Personen und 2 Kollegen.
Wir nehmen die festgenommen Täter mit zur Dienststelle. Dort das
übliche Prozedere, Blutentnahme, Durchsuchung, verbringen in die
Haftzelle etc. Im Vorbeigehen bekomme ich mit, dass es schon wieder
irgendwo eine Schlägerei gibt und einige schon wieder raus müssen. Ich
bearbeite meinen Festgenommen und verbringe ihn in die Zelle. Ich
schaue auf die Uhr und stelle fest, dass es kurz vor 6 Uhr ist und ich
sehe, dass schon Kollegen der Frühschicht da sind. Ich denke mir, gott
sei dank, Feierabend. Die Dienstgruppe trifft sich noch kurz im
Aufenthaltsraum und plaudert noch 5 Minuten. Wir sehen alle hundemüde
aus, einige müssen noch über eine halbe Stunde nach Hause fahren. Wir
verabschieden uns und ich fahre heim. Um halb 7 bin ich zu Hause doch
mich sofort ins Bett legen, dass kann ich auch nicht, dafür gehen mir
noch zuviele Gedanken von der Nachtschicht im Kopf herum.
Um 7 Uhr gehe ich doch ins Bett und schlafe auch bald ein. Nach 6
Stunden wache ich auf und trinke erst mal einen Kaffee, ich rufe den
Kollegen an, der mittlerweile wieder zu Hause ist und nur noch leichte
Schmerzen hat. Ich gehe zu meinen Eltern, die im gleichen Haus wohnen
und werde gefragt wie die Nachtschicht denn war. Ich sage nur wie
immer, da ich sie nicht belasten will, denn sie machen sich eh schon
Sorgen. Wenn sie wüssten, dass jeder von uns Polizisten bei jedem
Einsatz nicht weiss was auf ihn zukommt und ob er wieder ganz dort
herauskommt, sie würden sich mit Sicherheit noch mehr Gedanken machen.
Von dem verletzten Kollegen erzähle ich schon vorsichtshalber gar
nichts. Ich telefonier mit meiner Freundin und fahre später zu ihr.
Auch ihr erzähle ich nicht alles was ich in der Nacht erlebt habe.
Ich weiss selbst, dass wir Polizisten von den meisten nicht gerne
gesehen werden. Doch überleg dir mal, was ist wenn du überfallen wirst
und keiner kommt, wenn bei dir eingebrochen wird und keiner kommt?
Genauso geht es mit Sicherheit den Kameraden vom Roten Kreuz und von
der Feuerwehr. Ich weiss auf diese Leute kann ich mich verlassen und
sie können sich auch auf uns verlassen, denn schließlich kämpfen wir
gemeinsam auch nächste Nachtschicht in 3 Tagen wieder miteinander.
Eingesendet von Sascha
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ich finde diesen Ansatz haben unsere Kameraden der Polizei redlich verdient, bisher hatte ich nur weitgehend positive Erfahrungen mit der Polizei!an alle Hilfsorganisationen macht weiter so, ihr seit und bleibt die Besten!